💎 Rohdiamant

Warum dein Gehirn Ratschläge ignoriert

Dr. Alexandra Kleeberg

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Warum helfen gute Ratschläge oft nicht – selbst wenn du genau weißt, woher deine Angst, Scham oder Selbstzweifel kommen?

In dieser Folge erfährst du, warum dein Nervensystem eine andere Sprache spricht als dein Verstand. Anhand einer berührenden Geschichte über ein verängstigtes Pferd und aktueller Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft zeige ich, weshalb echte Veränderung nicht durch Erklären, sondern durch neue Erfahrungen entsteht.

Es geht um die Sprache von Körper, Bildern und Beziehung – und darum, wie unser inneres Alarmsystem lernt, Sicherheit neu zu entdecken.

Vielleicht musst du nicht mehr gegen dich kämpfen. Vielleicht musst du nur beginnen, die richtige Sprache zu sprechen.

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Herzlichst
— Dr. Alexandra Kleeberg —

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Wir haben einen wunderbaren Hund, der ist sehr liebesbedürftig, er ist auch sehr liebevoll, und manchmal, wenn wir ganz viele Menschen sind, die zusammenstehen, dann wird er völlig nervös. Er fängt ganz schrill an zu bellen. Er wird unruhig, er läuft hin und her. Und ich sage dann still oder Platz oder jemand streichelt ihn oder jemand will ihn nach draußen bringen, aber das will er nicht. Er will ja bei uns sein. Und wir wissen manchmal gar nicht, was er wirklich will. Und inzwischen haben wir gelernt, der ist jetzt drei Jahre, dass das Beste ist, wenn wir die Ruhe bewahren. Wenn die Schultern sinken, wenn die Stimme ruhig, verbindlich und klar wird. Wenn unsere Nervensysteme sich beruhigen. Und dann entspannt er sich langsam auch mit vielen Menschen. Und häufig gehen wir so mit uns selber um. Da ist ein Teil, der ist wild, der hat Angst, der ist auf Alarm, und wir sagen uns: jetzt reiß dich zusammen, spiel dich nicht so auf, jetzt mal ruhig, jetzt setz dich mal hin und nichts funktioniert. Das haben wir alle schon probiert. Da ist Alarm, da ist Angst, da ist Unzufriedenheit, da ist Ungeduld, da ist Unsicherheit. Egal, was es ist, wir versuchen, diesen Teil in uns. Wir können sagen, das ist der Hund, das ist das kleine Kind, das ist der innere Tiger oder was auch immer es ist. Wir können diesen unberechenbaren und scheinbar unkontrollierbaren Teil nicht durch den Verstand besänftigen. Auch nicht durch gut gemeinte Ratschläge. Auch nicht durch es ist doch gar nicht so schlimm. Jetzt nehmen wir erstmal Zeit, das ist die falsche Sprache. Denn was da dieser Teil von uns erlebt, kommt nicht aus dem Verstand. Es kommt aus einem Teil unseres Gehirns, der älter ist als das Denken. Aus einem tiefschichtigen Netzwerk, das mit Bildern, Körper und Empfindung arbeitet. Und eben nicht mit Argumenten und auch nicht mit gut gemeinten Ratschlägen und auch nicht mit psychologisch brillanten Interventionen. Tief in unserem Gehirn liegt dieser Bereich, der heißt Insular. Insel. Das ist die Kernregion eines Netzwerkes, das entscheidet, was in unser Bewusstsein darf. Die Insula ist nicht nur Filter, sie ist auch ein Messinstrument unserer inneren Körperlandschaft. Das heißt, sie ahnt nach innen. Bud Craig hat dem einen Namen gegeben: Interozeption. Die Wahrnehmung dessen, was in unserem Körper passiert. Die Wahrnehmung unseres Herzschlags, unserer Atemtiefe, unser Magen-Darm-Gefühl, unsere Muskelspannung, die Temperatur. Diese Insel, Insula, übersetzt diese Körpersprache in Gefühle und entscheidet danach, was wirklich wichtig ist. Und das alles hat eine Konsequenz, die in unserer ja sehr kopflastigen Kultur leicht übersehen wird. Und da möchte ich dich inspirieren, deinen Körper zu spüren. Denn wenn wir ihn nicht spüren, wissen wir nicht, was wirklich wichtig ist. Und umgekehrt, wenn wir beginnen wollen, unseren inneren Filter zu aktivieren, dann geht das nicht durch Argumente, sondern durch körperliche Erfahrungen, die so deutlich sind, dass sie eben diese Insula nicht überhören kann. Dieses Gehirn, was wir haben, ist einfach viel, viel schneller als unser sogenanntes Bewusstsein. Und unser Gehirn ist eigentlich keine Reaktionsmaschine. Es ist eine Vorhersagemaschine. Unser Gehirn reagiert eigentlich nicht nur auf das Geschehene, sondern es spielt dabei ständig im Voraus durch, was als nächstes geschehen könnte, und stellt sich darauf ein. Und häufig sind das Angstszenarium, wie vielleicht unser Hund auch hat, dass er überlastet ist, überfordert wird, dass er nicht weiß, wo er hingehört, dass er nicht weiß, dass er wichtig ist. Das erklärt auch Trauma. Es ist tief in uns gespeichert und tief im Körper verankert. Und dieses Vorhersage-Netzwerk sagt, oje, das könnte wieder kommen. Es hält sozusagen diesen Schalter auf Bereitschaft. Und zwar nicht aus Paranoia, sondern aus Schutz, aus einer Liebe zu uns, die so groß geworden ist. Und genau deshalb hilft unser Verstand alleine nicht. Du kannst deinem Geschick, du kannst deinem System nicht einfach erklären, dass die Gefahr vorbei ist. Es muss eine neue Erfahrung machen. Und zwar körperlich, bildhaft, leiblich. Und zwar eine Erfahrung, die so deutlich ist, dass sie die alte Vorhersage revidiert. Und dazu gibt es verschiedene Wege. Und in diesen Wegen sind auch unterschiedliche Sprachen verwoben, die diese inneren Filter ansprechen. Die erste Sprache ist die Sprache des Körpers. Der Körper braucht Stille, er braucht Atem, er braucht Berührung. Diese Übung, etwas wieder zu spüren, bevor wir es deuten, bevor wir es bewerten. Das macht Yoga, das macht Körperarbeit, machen verschiedene Meditationstechniken. Und so lernt diese Insula zwischen einer Erinnerung an Gefahr und gegenwärtiger Geborgenheit zu unterscheiden. Also wir können mit dem Körper arbeiten. Und wir können mit der Sprache der Bilder, der Imagination arbeiten. Gerade dieses Salienznetzwerk arbeitet in Bildern, in Symbolen. Wenn wir also einer Angst nicht mit Argumenten begegnen, sondern mit einem inneren Bild, kann sie langsam verschwinden. Das heißt, wir sprechen mit ihr. Wir haben vielleicht einen Pinsel, einen Zauberstab dabei, um neue Impulse zu geben. Und das Neue wird gespeichert. Wir nennen das Imagery Rescripting. Carl Gustav Jung nannte sowas aktive Imagination und hatte es bereits vor über 100 Jahren beschrieben. Und beide Sprachen, die Sprache des Körpers und die Sprache der Bilder, können dasselbe tun. Sie können diesem inneren Väter zeigen, die Welt ist heute anders, als du sie gespeichert hast. Du kannst loslassen. Aber genau das passiert eben nicht durch Wollen, sondern es funktioniert durch Wiederholung, durch geduldige, freundliche, körperliche, bildhafte Wiederholung. Und es gibt noch eine dritte Sprache. Und sie ist vielleicht die mächtigste. Das ist die Sprache der Beziehung, der Begegnung. Es gibt Forschungen, die zeigen, dass dieses Salienznetzwerk, das entscheidet, wie was welche Bedeutung bekommt, geprägt wird durch Beziehung, durch frühe Bindungserfahrung. Dadurch, ob wir lernen, die Welt ist grundsätzlich sicher und Bedrohungen sind die Ausnahme. Oder ob wir das Gegenteil lernen, die Welt ist unberechenbar. Und diese frühe Gravur lässt sich nicht durch Worte umschreiben, sondern durch neue Beziehungserfahrungen. Und hier kommt etwas ganz Interessantes, das die Spiegelneuronen-Forschung sichtbar gemacht hat. Unser Gehirn spiegelt automatisch das Gehirn der Menschen um uns herum. Was heißt das? Unser Salienznetzwerk, das Bedeutung gibt, wird unbewusst von unserer sozialen Umgebung belebt. Genau heißt das, in einem Raum voller ängstlicher Menschen wird auch unser System ängstlicher. In einem Raum voller ruhiger, präsenter Menschen wird es ruhiger. Und das erklärt für mich auch, warum Gruppentherapie so viel mehr ist als die Summe einzelner Sitzungen. Eine Gruppe von Menschen, die sich gemeinsam auf eine Reise, auf eine innere Reise einlassen, wird sozusagen zu einem neuen Bindungsfeld für jedes einzelne Nervensystem. Diese verschiedenen Inseln, Insular, sprechen miteinander ohne ein Wort. Was hier passiert, ist kollektive Synchronisierung, Rekalibrierung. Du heilst also nicht allein. Das ist nicht romantisch, das ist Biologie. Eine Frau in meiner Gruppe sagte: Ich verstehe alles, was du sagst. Ich kann es sogar erklären, aber wenn die Angst kommt, hilft mir das alles nichts. Ja, da hat sie recht, es hilft dann nichts. Und so bitte ich sie, die Augen zu schließen. Zu atmen. Vielleicht fordere ich sie, auf ein Bild kommen zu lassen. Irgendeines, was sich gerade in ihr zeigt. Und da sieht sie eine kleine Gestalt in einem dunklen Raum. Und ich sage, bleib einfach da. Mehr nicht. Atmen, bleibe da. Und in der Gruppe sitzen weitere Menschen, die alle dasselbe tun. Sie atmen mit, sie sind da. Niemand spricht. Aber dieser Inselbereich, die Insula der Anwesenden arbeiten miteinander. Nach einer Weile öffnet sie die Augen und sie sagt: Danke, ich war nicht mehr allein. So lernt unser Salienznetzwerk neu und zwar nicht durch Erklärung, sondern durch eine neue Erfahrung. Und so schließt auch du deine Augenlieder. Richtige deine liebevolle Aufmerksamkeit auf deine Atmung. Wie der Körper ganz von alleine ein- und ausatmet. Spür, wie weicher wird mit jedem Atemzug und heiße jedes Bild, das aufsteigt, willkommen. Auch das Nichts ist willkommen. Und bleibe dabei. Ein- und ausatmen. Ein- und ausatmen. Ein- und ausatmen. Und dann öffne wieder die Augen, Lieder. Also nochmal. Richte deine Aufmerksamkeit nach innen auf deinen Körper, wenn die Angst kommt. Belebe innere Bilder. Suche dir eine Umgebung mit Menschen, die dir Geborgenheit vermitteln. Drei Wege, dein Nervensystem zu neuem Lernen zu motivieren. In diesem Sinne auf geht's. Oh, Diamant, kantig und kraftvoll. Abonniere und teile gerne. Collectivefeeling.com