💎 Rohdiamant

WT 4 Gehirnwäsche

Dr. Alexandra Kleeberg

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Gehirnwäsche

Ein Wort, das sofort Misstrauen weckt. Manipulation. Kontrolle. Fremde Hände an unseren Gedanken.

Doch es gibt eine Gehirnwäsche, die uns nicht schadet, sondern rettet. Sie geschieht jede Nacht. Ganz ohne unser Zutun.

Während wir schlafen, öffnen sich feine Kanäle in unserem Gehirn, und eine klare Flüssigkeit beginnt zu strömen. Sie spült hinaus, was der Tag an Resten hinterlassen hat – Stoffe, die sich ansammeln, wenn wir wach sind, und die das Denken auf Dauer trüben. Das Gehirn reinigt sich selbst. Buchstäblich.

Wer schlecht schläft, dem fehlt nicht nur Erholung. Ihm fehlt diese nächtliche Wäsche. Und mit der Zeit bleibt zurück, was eigentlich hätte fortgespült werden sollen.

Vielleicht ist guter Schlaf kein Luxus. Vielleicht ist er die wichtigste Form von Hygiene, die wir kennen – die Hygiene des Geistes.

Mehr dazu in meinem Podcast „ROHDIAMANT" – vom Wachen und Träumen auf YouTube AlexandraKleeberg und auf allen Podcastkanälen.

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Herzlichst
— Dr. Alexandra Kleeberg —

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#Rohdiamant #Psychotherapie #Gruppentherapie #AlexandraKleeberg #Imagination2punkt0 #Archedynamik #Transformation

SPEAKER_00

Ich möchte dir erzählen aus einer Geschichte in meiner Gruppe. Das war donnerstagsmorg vor 10, 15 Jahren, und wir saßen so im Kreis. Wir haben gerade was gemeinsam gemacht, irgendeine Übung, irgendeine Imagination. Und dann sagte eine Frau, sie guckte mich an mit einer Mischung aus Schelmerei und Ernst. Und sie sagte, Alexandra, was du damit uns machst, das ist ja Gehirnwäsche. Ich war total schockiert. Ich habe diesen Begriff mitgenommen in viele, viele Tage. Ich zweifelte, ob ich Machtmissbrauch betrieben habe und ob ich manipuliert habe. Gehirnwäsche. Und nach mehreren Tagen, wo es mich wirklich, wirklich beschäftigt hat, hatte ich einen Traum und ich sah wie Wasser durch ein Gehirnfloss. Und ich dachte auf einmal, na klar, na klar mache ich Gehirnwäsche, wenn ich Imaginationen anleite. Und was ich jetzt herausgefunden habe, ist, dass das sogar wissenschaftlich bewiesen ist. Das sind relativ neue Forschungen und es ist ganz genial. Das Gehirn wäs sich wirklich selber. Also nicht nur ich in den Imaginationen, sondern das Gehirn tut es ganz real. Und das weiß man seit ungefähr 2013. Wir dachten früher, das Gehirn ist der einzige Ort im Körper ohne Reinigungssystem, kein Lymphsystem, kein Abfluss. Die Wissenschaft nahm irgendwie an, die ganzen Abfallstoffe des Gehirns, die diffundierten irgendwie heraus. Irgendwie wahrscheinlich. Und dann kam Maiken Nedegaard, eine dänische Neurowissenschaftlerin mit Fluoreszenzfarbe, Spezialmikroskop und lebenden Mäusegehirn. Und sie entdeckte etwas, das es eigentlich nicht geben durfte, ein vollständiges, ein elegantes, hocheffizientes Reinigungssystem im Gehirn. Sie nannte es das glymphatische System, zusammengesetzt aus Glia, die Gehirnstützellen und Lymphe. Es ist, als würde man vor dem Schlafen gehen, sozusagen den Geschirrspüler einschalten und dann mit einem sauberen Gehirn aufwachen. So benannte Mike Nedergaard es selbst. Und wie das Gehirn sich wäscht, das möchte ich dir heute erzählen. Unser Gehirn macht nur 2% unseres Körpergewichts aus und verbraucht aber 20, 25 Prozent unserer gesamten Körperenergie. Und bei diesem enormen Umsatz fallen täglich rund 7 Gramm potenziell giftiger Abfallstoffe an, darunter. Beta-Amylit, Taubproteine, Stoffwechsel, Abfallzeltschrott. Das Gehirn musse ja irgendwie loswerden, und zwar jede Nacht neu. Sobald wir also tief schlafen, beginnt klares Hirnwasser, der Liquor, aktiv unser Gehirngewebe zu durchfließen. Die Gehirnzellen schrumpfen dabei um bis zu 60 Prozent ihres normalen Volumens. Kanäle öffnen sich, spezielle Stützzellen, die Astrozyten, pumpen die Flüssigkeit in rhythmischen Wellen durch das gesamte Gewebe. Diese Flüssigkeit wäscht heraus, was sich tagsüber angesammelt hat. Über die Ven fließt dann alles ab, ins Lymphsystem, ins Blut, in Leber, Nieren, raus aus dem Körper. Die Schadstoffe werden also endgültig abgebaut und ausgeschieden. Das Gehirn benutzt dann also den restlichen Körper als seine eigene Kläranlage. Wann passiert es? Die Reinigung beginnt nicht sofort mit dem Schließen der Augen. Der Schlüssel ist ein einziger Botenstoff, nämlich Noradrenalin. Solange wir wach sind, auch entspannt, auch mit geschlossenen Augen, hat unser Gehirn einen relativ hohen Noradrenalinspiegel. Die Gehirnzellen bleiben in normaler Größe, die Kanäle bleiben eng, kein Durchfluss. Erst wenn das Bewusstsein wirklich loslässt, wenn unser Selbst verschwindet und der Noradrenalinspiegel sinkt, öffnen sich die Schleusen. Das geschieht frühestens im Übergang von leichtem zu tiefem Schlaf, also von Theta zu Delta, und etwa 20 bis 30 Minuten nach dem Eschlafen. Und nicht alle Schlafphasen sind gleich. Die Reinigung im Gehirn hat eine klare Hierarchie. Wenn wir wach sind, keine Reinigung. Noradrenalin hält die Kanäle geschlossen. Im Alpha-Zustand minimal. Die Türen öffnen sich vielleicht ein klein bisschen. Täter, und das ist ja der Zustand, wo ich mit Imagination arbeite, mäßige Reinigung, der Fluss beginnt. Delta, Tiefschlaf, da geht es richtig los. Da läuft sozusagen unser Putzteam auf Hochtouren. Im Traumschlaf ist es wiederum Gehirn. Gering. Also die Tiefschlafphasen sind also der eigentliche Reinigungsmotor. Und wer chronisch wenig Tiefschlaf bekommt, lässt den Schmutz einfach liegen. Das Gehirn wäscht sich jede Nacht, aber nur, wenn wir es wirklich lassen. Und jetzt etwas Wichtiges: was passiert, wenn diese Reinigung aus bleibt? Schlafmangel ist nämlich nicht nur Müdigkeit, er ist Information. Der Körper zeigt, dass etwas Grundlegendes nicht stimmt. Wir haben Angst, wir gröbeln, wir haben Panik, wir führen Buch, auch wenn wir es nicht merken. Eine einzige schlaflose Nacht kann schon messbare Folgen zeigen. Eine Studie aus dem Jahr 2020 der Universität Uppsala untersuchte 15 junge Männer. Nach nur einer Nacht ohne Schlaf stiegen die Taubproteine im Blutplasma um 17 Prozent. Und das ist nicht abstrakt. Taubproteine sind genau die Ablagerung, die zum Beispiel bei Alzheimer im Gehirn verklumpen. Eine Nacht 17 Prozent. Gleichzeitig reagiert das Gehirn emotionaler. Die Amyktala, unser Tresor der Angst, das Angstzentrum wird aktiver, während unser Denken, was die Emotionen reguliert, an Kontrolle verliert. Kleine Probleme fühlen sich auf einmal riesig an. Die Kreativität sinkt, die Empathie sinkt, die Geduld sinkt, das Gehirn wird enger. Und bei chronischem Schlafmangel, also regelmäßig unter sieben Stunden, beginnen sich die Abfallstoffe im Gehirn anzuhäufen. Das passiert langsam, unmerklich, über Monate und Jahre. Es führt auch dazu, dass das Immunsystem schwächer wird. Entzündungsprozesse können zunehmen. Die emotionale Resilienz sinkt. Menschen halten ihren Erschöpfungszustand irgendwann für ihre Persönlichkeit. Ich bin halt immer ein bisschen nervös, ich bin gestresst, ich kann einfach nicht abstalten, ich funktioniere unter Druck eigentlich viel besser. Vielleicht stimmt das nicht. Vielleicht sind wir einfach müde. Und langfristig finden wir eine Verbindung zwischen Schlafmangel und die sogenannten neudegenerativen Erkrankungen. Wir wissen nicht, wie genau es zusammenhängt und jeder ist natürlich individuell. Aber das grobe Bild ist, dass Menschen mit chronischen Schlafstörungen ein erhöhtes Risiko für Alzheimer haben, für Parkinson. Und möglicherweise liegt das daran, weil das lymphatische System über Jahre unser Gehirn nicht ausreichend reinigen konnte und sich Proteinablagerungen langsam angesammelt haben. Was auch bemerkenswert ist, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Depressionen, ein schwaches Immunsystem und so weiter auch mit dauerhaftem Schlafmangel zusammenhängen. Und ich will hier keine Schreckenszenarien sagen. Es gibt einen nächsten Podcast, da sage ich, wie wir das sozusagen kompensieren können, wenn wir nachts nicht schlafen. Ich möchte nur dich darauf aufmerksam machen, dass Schlaf ganz, ganz wichtig ist. Für dich selbst, wenn du mit Menschen arbeitest, aber natürlich auch für die Klientel selbst. Schlafmangel kann zu ganz, ganz vielen Symptomen führen. Schlafmittel sind da auch nicht immer die dauerhaft gute Lösung, weil auch sie manchmal diesen Reinigungsprozess unterbrechen. Der Körper schläft zwar, aber sozusagen das Putzteam bleibt draußen. Ich leite in meinen Gruppen gern diese Imagination zur Gehirnwäsche an. Das heißt, wir stellen uns vor, das Gehirn wird durchspült mit dem Wasser des Lebens, es klären sich die verschiedenen Bereiche des Gehirnwassers, die Zellen werden klarer, reiner, freier. Und das ist eine Imagination, die in diesem Täter-Zustand stattfindet. Und manche Menschen in meinen Gruppen, die schlafen auch ein. Und das dürfen sie auch, denn ich weiß, dass im Schlaf, im Tiefschlaf, in einem geborgenen Raum der Gruppe das Gehirn anfängt, sich selbst zu reinigen. Und deshalb führen sie sozusagen meine Imagination nur auf einer anderen, auf einer biologisch realen Ebene fort. Warum sage ich dir das? Weil guter Schlaf sich einfach gut anfühlt, es fühlt sich kraftvoll an, er fühlt sich schöpferisch an und weil es gerade für Menschen in helfenden Berufen so, so wichtig ist, tief und fest und glückselig sozusagen die tagsüber angehäuften Probleme, Sorgen, Nöte auf eine gute Art wie die Heinzelmännchen innerlich zu verarbeiten. Und es ist auch gut, einen guten Schlaf sozusagen weiter zu empfehlen oder weiter zu vermitteln, damit auch unser Klientel regeneriert ist. Und ein regeneriertes Klientel hat weniger Sorgen, weniger Probleme, weil es damit leichter umgehen kann. Nächstes Mal erzähle ich dir was darüber, wie ein fehlender Nachtschlaf tagsüber auch kompensiert werden kann, damit das Gehirn wirklich täglich und nicht nur nächtlich reinigt. In diesem Sinne auf geht's! Alexandra! Roh Diamant! Kantig und kraftvoll! 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