💎 Rohdiamant

#7 Das Gold im Leiden

Dr. Alexandra Kleeberg

Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.

0:00 | 10:05

Support the show

Herzlichst
— Dr. Alexandra Kleeberg —

🔔 Abonniere ROHDIAMANT, wenn dir dieses Format gefällt, um die nächsten Folgen nicht zu verpassen.

Mehr von Dr. Alexandra Kleeberg und vom Collective Healing Institut auf https://collectivehealing.com
https://www.youtube.com/AlexandraKleeberg
https://www.linkedin.com/in/selbstheilung/

#Rohdiamant #Psychotherapie #Gruppentherapie #AlexandraKleeberg #Imagination2punkt0 #Archedynamik #Transformation

SPEAKER_01

Wir Menschen haben viele Facetten, kantig und kraftvoll. Willkommen bei Rohdiamant. Es gibt ein Wort, bei dem viele innerlich zusammenzucken, Leiden. Und wir behandeln Leiden wie einen Fehler, etwas, das nicht sein dürfte. Etwas, das weg muss, möglichst schnell, möglichst sauber, möglichst leise. Aber was, wenn Leiden nicht nur ein Problem ist? Was, wenn Leiden eine Botschaft trägt? Und ich meine das nicht romantisch. Leiden tut weh. Manchmal ist es überwältigend, häufig ist es ungerecht. Oft fühlt es sich sinnlos an. Und trotzdem zeigt sich immer wieder etwas Entscheidendes. In jedem Menschen, der leidet, lebt etwas Unversehrtes weiter, eben der Rohdiermant. Für mich ist jedes Symptom wie ein kleines Kind, das schreit. Nicht kaputt, nicht falsch, nicht zu viel. Es schreit nicht um zu stören. Es schreit, weil etwas fehlt oder weil etwas zu viel war oder weil es zu lange allein war mit dem, was es erlebt hat. Das Schreien ist kein Defekt, es ist ein Ausdruck von Lebendigkeit, von Unschuld, von einem inneren Impuls, der nicht verstummt ist. Der eigentliche Schatz im Leiden ist nicht das Symptom. Der Schatz ist das Kind da drin. Und dieser Schatz besteht aus Kräften, die irgendwann keinen Platz mehr hatten. Die Schätze im Leiden sind Emotionen, die wieder lebendig werden wollen. Gefühle, die nicht falsch waren, sondern zu intensiv für diese Zeit. Wut, die ursprünglich Kraft war, Trauer, die Tiefe war, Freude, die lebendig war, Angst, die Sensibilität war. Im Leiden liegen Spontanität und Lebendigkeit, die irgendwann gebremst wurden. Eine Vitalität, die nicht willkommen war, eine Individualität, die angepasst werden musste, eine Rebellion, die keine Antwort bekam und sich nach innen gewendet hat. Viele Symptome sind nichts anderes als eingefrorene Lebenskraft, Bewegung, die gestoppt wurde, Impulse, die keinen sicheren Raum hatten. Und darin liegt vielleicht der tiefste Schatz, die verlorengegangene Fähigkeit, das eigene Leben selbst zu gestalten. Nicht nach Erwartungen, nicht nach irgendwelchen alten Regeln, nicht aus Anpassung, sondern aus dem Inneren heraus. Viele Menschen tragen dieses innere Kind noch immer in sich, gebunden an alte Situationen, alte Reaktionen, alte Schutzmechanismen. Ja, damals war dieses Kind Opfer, abhängig, ausgeliefert, ohne Wahl. Das ist ganz klar und das meine ich auch ernst. Aber heute sind wir nicht mehr dort. Heute sind wir erwachsen. Heute haben wir Spielräume. Heute können wir dieses innere Kind aus der Opferrolle befreien. Nicht indem wir seine Geschichte leugnen, nicht indem wir Traumen verharmlosen, sondern indem wir sie anerkennen und sie nicht länger die Gegenwart bestimmen lassen. Erlösung geschieht nicht durch Vergessen. Erlösung geschieht durch Dasein dürfen. Wenn das innere Kind heute, von dir von mir gesehen wird, wirklich gesehen, dann darf es fühlen, Wut, Trauer, Angst, Freude, Wildheit, Zärtlichkeit, es darf widersprechen, es darf lebendig sein, es darf individuell sein, es darf kraftvoll sein. Es muss nichts mehr kontrollieren, nichts mehr beweisen, nichts mehr zurückhalten. In meiner therapeutischen Arbeit zeigt sich immer wieder, Symptome halten oft so lange fest, bis ihre Botschaft gehört wurde. Nicht verstanden im Kopf, sondern aufgenommen, im Herzen, im Körper, in der Beziehung. Und wenn wir Symptome nur bekämpfen, ist das, als würden wir einem Kind den Mund zu halten. Es wird dann vielleicht leiser, aber nicht, weil es besser ist, sondern weil es keinen anderen Ausweg hat. Wenn wir hingegen zuhören, verändert sich etwas Grundlegendes. Wissenschaftlich sprechen wir vom Nervensystem, von Bindung, von Schutzreaktionen. Und gleichzeitig ist da diese einfache Wahrheit. Heilung beginnt nicht mit Verstehen. Heilung beginnt mit Kontakt. Das Nervensystem braucht Sicherheit und Sicherheit entsteht nicht nur durch äußere Umstände, sondern durch Präsenz, durch Verbindung, durch das Gefühl, ich bin nicht allein. Der Polyvagalnerv, unser zentrales Beruhigungssystem, reagiert auf soziale Verbindung. Deshalb arbeite ich in Gruppen. Es reagiert auf einen Blick, der sagt, ich sehe dich, auf eine Stimme, die meint, du bist nicht allein. In Gruppen und auch in der Einzelarbeit gibt es diese Momente. Jemand sagt, ich kann nicht mehr. Und der Raum bleibt. Niemand repariert, niemand erklärt, niemand optimiert. Jemand atmet, jemand weint. Und etwas, was lange fest war, wird für einen Moment weich. Das sind menschliche Wunder. Und nicht, weil jemand etwas tut, sondern weil ein Gefühl nicht mehr allein ist. Ich habe das unzählige Male erlebt. Menschen kommen mit innerem Druck, mit Angst, mit Enge. Und irgendwann sagen sie, ich weiß nicht, was passiert ist, aber irgendwas ist anders geworden, freier, leichter. Nicht, weil sich jemand bewusst verändert hat, sondern weil diese Lebenskraft nicht länger gebunden war, weil Spontanität Raum bekommen hat, weil die Menschen begonnen haben, ihr Leben wieder selbst zu gestalten. Leiden ist kein Endpunkt. Leiden kann ein Übergang sein, ein Übergang zurück zum inneren Kind. Manchmal ist es ein Tor in den Körper, in Vitalität, in echtes Miteinander. Manchmal ist es eine Kraft, die größer ist als wir selbst. Leiden lehrt uns, was wirklich wichtig ist. Es zeigt uns, was echt ist und was Fassade ist. Es zeigt uns, wo wir uns angepasst haben und wo wir uns verloren haben, wo wir aufgehört haben, unseren inneren Impulsen zu folgen. Menschen, die gelitten haben, tragen oft eine besondere Tiefe. Nicht, weil das Leben und das Leiden gut ist, sondern weil sie berührbar geblieben sind, weil sie füllen konnten, weil sie nicht abgestumpft sind. Der Schatz im Leiden ist nicht das Leid. Der Schatz ist das Leben darin, das Unversehrte, das Wilde, das Eigene, das Kind, das nie falsch war. Nur allein. Und wenn dieses Kind heute gesehen und gehalten wird, dann finde ich, beginnt etwas zu leuchten. Nicht perfekt, nicht allglatt, sondern wahr. Vielleicht ist das der eigentliche O-Diamant, nicht das Überwundene, sondern das Bewahrte. Die Fähigkeit zu fühlen, die Fähigkeit zu rebellieren, die Fähigkeit zu gestalten, lebendig zu sein. Ich lade dich ein zu einem kleinen Abschlussritual. Wenn es für dich passt, leg eine Hand auf deinen Körper, auf die Brust, den Bauch, wo auch immer und sag innerlich, zu dem Teil in dir, der lange gebunden war, einfach nur ich nehme dich wahr. Kein Reparieren, kein Kämpfen, nur Kontakt.

SPEAKER_00

Und bleib da einen Moment. Lass den Rohdiamant in dir leuchten aufgeht. Rohdiamant, kantig und kraftvoll.

SPEAKER_01

Abonniere und teile gerne. Collectiveheeling.com